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Vergiss es! Amnesie durch Hypnose.

Durch Hypnose willenlos programmiert und zudem noch völlig ahnungslos, was passiert ist, bis jemand den Schalter umlegt und du wie ferngesteuert deiner neuen Programmierung folgst? Heiß! 😍

Ich finde es super faszinierend, dass es überhaupt möglich ist, durch Hypnose gezielt Dinge zu vergessen – denn wie soll man denn bitte jetzt gerade wirklich nicht an den tanzenden Elefanten im rosa Tutu denken?

Ich habe lange selbsthypnotisch mit Amnesie-Suggestionen experimentiert, weil mir zu Beginn meiner Hypnoseerfahrungen selbst der simple Bühnentrick, eine Zahl zu vergessen und elf Finger zu zählen, völlig unmöglich erreichbar schien. Erst Jahre später habe ich ein für mich passendes Bild gefunden, eine funktionierende Metapher, die mein Gehirn dann endlich umsetzen konnte (mehr dazu weiter unten).

In vielen Fällen wünschen sich meine Hypnotisanden eine klare Erinnerung an die gemeinsame Session, und da haben Amnesie-Suggestionen natürlich nichts verloren – wobei ich auch gelegentlich erlebe, dass jemand durch populäre Hypnose-Klischees so überzeugt davon ist, dass Menschen während einer Hypnose quasi bewusstlos sind, dass die Person sich auch spontan hinterher an nichts erinnern kann.

Mit entsprechendem Konsens kann es allerdings sehr vergnüglich sein, beispielsweise einen posthypnotischen Trigger vor dem Bewusstsein des Hypnotisanden zu verstecken, bis er ausgelöst wird und zu großer Überraschung führt. Und generell sind alle ideokognitiven (also Gedanken verändernden) Phänomene spannend im Zusammenhang mit dem Erleben von „Mind Control“ und daher natürlich super relevant für viele Hypnokinkster.

Es liegt mir auf der Zunge

Am einfachsten lässt sich Amnesie meiner Erfahrung nach als temporäre Abrufblockade umzusetzen: Pack die entsprechende Information also einfach dort hin, wo die Dinge gespeichert sind, die dir auf der Zunge liegen, auf die du aber im Moment gerade partout nicht kommst. Beschäftige dein Gehirn mit dem Suchprozess, ruf die Verwirrung und Verzweiflung auf, die du spürst, wenn du genau weisst, dass du eine Information eigentlich widergeben können solltest, wenn auch leider jetzt gerade nicht.

Der Aussetzer in der Prüfung. Der Name von Dings. Diese eine Zahnpasta mit der nervigen Werbung, ich hatte mir doch extra gemerkt, was ich garantiert nie kaufen wollte …

Der Eintrag ist  ganz sicher irgendwo in deiner Datenbank, aber der Pointer ist leider gerade verloren gegangen.

Für die Hypnotiseure: Es hilft sehr, die Augen deines Hypnotisanden davon abzuhalten, beim internen Suchprozess zu helfen. Augenbewegungen sind zwar wohl nicht ganz so strikt mit bestimmten Gehirnaktivitäten verknüpft, wie es im NLP gern behauptet wird, das heißt du kannst beispielsweise nicht sicher an der Blickrichtung deines Gegenübers ablesen, ob die Person gerade einen realen Gedächtnisinhalt abruft oder eine Behauptung erfindet. Auf jeden Fall aber rollen wir die Augen in der Regel irgendwo nach schräg oben oder unten, um „nach innen zu schauen“ und dort nach etwas zu suchen.

„Schau mir in die Augen und stell fest, dass dein eigener Name verschwunden ist“ ist daher ein beliebter Bühnentrick – die geforderte Blickfixation, der Zeitdruck und die schiere Absurdität der Suggestion lösen so viel Verwirrung aus, dass die Person zumindest kurzzeitig tatsächlich nicht antworten kann.

(Was uns dazu bringt, dass eine scheinbare Amnesie im Bühnensetting oft auch einfach die viel leichter umzusetzende Sprachlosigkeit durch akute Überforderung ist. Für die Zuschauer ist das Ergebnis dasselbe: Der Hypnotisand sagt nichts, wirkt dabei verblüfft und lacht vielleicht verlegen.)

Zu tief um zu denken

Neben der Abrufblockade für konkrete Erinnerungen gibt es natürlich auch die Option, alle bewussten Gedankenprozesse so zu verlangsamen, dass der Zugriff auf kognitives Wissen allgemein schwieriger wird. Dazu eignen sich Tieftrance-Zustände, in denen das Denken der Phase beim Einschlafen gleicht, wo traumartig absurde Ideen die Tagesgedanken ablösen und sich alles irgendwie dissoziiert, surreal und fluffig anfühlt.

In solchen Tieftrancen ist nicht nur der Abruf von vorhandenem Wissen, sondern auch das Formen neuer Erinnerungen eingeschränkt. Allerdings gilt das auch für körperliche Reaktionen. Was erotische Spiele angeht, sind wir hier schon nahe an der Somnophilie, also Spaß am Sex mit einer schlafenden Person.

Akute Irrelevanz

Umfassendere Amnesien bei voller Handlungsfähigkeit in einer Wachtrance lassen sich dagegen am besten durch eine Beschäftigung des Gehirns mit wichtigeren Dingen umsetzen. Schließlich ist es unmöglich, dich gleichzeitig an alles zu erinnern, woran du dich grundsätzlich erinnern könntest, wenn es gerade relevant wäre – das Gehirn muss selektieren, und du brauchst einfach nur noch festzulegen, welcher Gedanke wichtig genug ist und welcher nicht.

Erinnerungen werden in unserem Gehirn nicht wie auf einem Datenträger gespeichert und dann abgerufen, sondern entstehen wie andere Gedanken jedes Mal neu und konkurrieren daher mit anderen kognitiven Prozessen. Wenn du also das Gehirn beschäftigt hältst, beispielsweise mit einem Ohrwurm oder Mantra, das suggestiv mit hoher Bedeutsamkeit versehen in Dauerschleife im Kopf des Hypnotisanden läuft, ist schlicht nicht mehr genug Kapazität übrig, um auch noch gleichzeitig eine bestimmte Erinnerung zu rekonstruieren.

Auch strebt das Denken nach Kohärenz: Wer mit Hilfe von Hypnose vollkommen in einem Rollenspiel-Szenario versunken ist, hat oft spontan keinen Zugriff mehr auf Wissen außerhalb dieser Rolle: Wer durch eine hypnotische Zeitreise in einem früheren Leben im Mittelalter erwacht, wird ein Smartphone nicht mehr ohne Weiteres bedienen können. Ein Ageplayer / Little in einer hypnotischen Altersregression schaut dich bei einer anspruchsvolleren Matheaufgabe wahrscheinlich ziemlich hilflos an.

So erging es mir übrigens, als ich mal nach locker 20 Jahren in der Community „zum ersten Mal auf einer Kink-Party“ war – ich habe die Menschen, die mich dort fröhlich begrüßt haben, schlicht nicht erkannt. Eigentlich eine kognitiv viel komplexere Aufgabe als das Vergessen einer Zahl, aber für meinen Geist als natürliche Folge des Gesamtkontextes offenbar trotzdem leichter umzusetzen.

Denk einfach nicht hin!

Inzwischen habe ich für mich ein Bild gefunden, eine Hilfsvorstellung, die es mir erlaubt, einen „aufkommenden Gedanken“ zu unterdrücken, bevor er mein Bewusstsein erreicht. Ich kann also quasi gezielt irgendwo nicht hindenken.

Die Metapher, die zuerst für mich funktioniert hat, war ein Wind, der den unerwünschten Gedanken wegweht und zerstreut, bevor er sich vollständig entfalten kann. Inzwischen ist es mehr ein „mit dem inneren Auge Wegschauen“, als würde ich meinen Blick von etwas abwenden, das ich gerade nicht sehen will.

Neurokognitiv ist das Gehirn ja ständig auch damit beschäftigt, Aktivität zu hemmen, und vielleicht kann ich eine solche neuronale Hemmung auf diese Weise gezielt steuern – zumindest fühlt es sich so an. Auf jeden Fall braucht es etwas Konzentration und mentale Energie, die Blockade aufrecht zu erhalten, bis mich eine andere kognitive Aufgabe natürlicherweise davon ablenkt.

Und du so?

Weil ich das Thema so super spannend finde, möchte ich jetzt gern von dir wissen: Hast du schon mit Amnesien oder anderen ideokognitiven Phänomenen experimentiert, und wie war’s? Welche Metaphern und Techniken haben für dich funktioniert? Wo bist du bisher an Grenzen gestoßen?

Und wenn du Ideen aus diesem Blog-Artikel ausprobiert hast, wie war das für dich? Was würdest du gern ergänzen?

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